#3 ERP-Berater – welche Typen gibt es und was ist ihr Mehrwert?

Welche Aufgaben übernehmen ERP-Berater und gibt es überhaupt einen Mehrwert für Unternehmen wenn Sie ERP-Berater nutzen? Welche Unterschiede in den einzelnen Rollen gibt es? Was macht ein Inhouse ERP-Berater, ein unabhängiger ERP-Consultant und ein ERP-Berater eines Softwarehauses? Wo ist der Nutzen für ein Unternehmen am größten und welche Fragen sollten gestellt werden. Erfahren Sie im Expertengespräch von Kathrin Potschka und Nathalie Dreher wie Sie deren Einschätzung zu Ihrem Vorteil nutzen können.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Soundcloud zu laden.

Inhalt laden

Kapitelmarken für diese Folge:

    • Die verschiedenen Beratertypen (ab 0:57)
    • Grad der Ausbildung und des Know-Hows der modernen ERP-Berater (ab 1:41)
    • Sinnvoller Einsatz eines ERP-Beraters aus einem Softwarehaus (ab 2:19)
    • Wie neutral sind Berater aus einem Softwarehaus? (ab 2:57)
    • Die Vorteile durch unabhängige ERP-Berater (ab 4:05)
    • Für welche Unternehmen sind Inhouse-ERP-Berater sinnvoll? (ab 4:59)
    • Weiterbildung als Herausforderung für Inhouse-Berater (ab 5:51)
    • Wie man den geeigneten Berater für sein Unternehmen findet (ab 6:45)

Transkript Folge 3: ERP Berater

Kathrin Potschka: Ich sitze heute hier mit Nathalie Dreher von Dreher Consulting. Wir werden uns heute mal über ERP-Berater unterhalten. Also, was machen ERP-Berater, welche Arten gibt es und was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Berater-Typen.
Direkt vorweg die erste Frage: Zuerst ist wichtig die Begriffsdefinition – was ist ein ERP-Berate – zu klären.

Nathalie Dreher: Wir unterscheiden hier grundsätzlich drei verschiedene Kategorien von Beratern: zum einen den ERP-Berater aus der Softwarebranche, also aus einem bestimmten Softwarehaus. Zum anderen ein ERP-Berater aus dem Consulting-Bereich und zum dritten den ERP-Berater aus dem Kundenunternehmen, der klassische In-House-Consultant.
Vor mehreren Jahren war auch die Anzahl der Autodidakten unter ER-Beratern noch viel zahlreicher als heute. Das waren meist erfahrene Mitarbeiter die in einem Unternehmen quasi die Vermittlerrolle zwischen IT und Business eingenommen haben.

KP: Haben sich denn die Anforderungen an ERP-Berater mittlerweile verändert im Gegensatz zur Vergangenheit?

ND: Ja, ganz klar. Inzwischen sind die Anforderungen an die Ausbildung für ERP- Beratung deutlich angestiegen. Dadurch hat natürlich auch der Akademisierungsgrad insgesamt und speziell auch für die Einführung von ERP- Systemen und ERP-Lösungen zugenommen. Da kann man also immer mehr auf theoretisch umfassend ausgebildet ERP-consultants zurückgreifen, vielmehr als damals noch.

KP: Wir haben vorhin gehört, dass es ERP-berater aus der Softwarebranche, also von einem speziellen Softwarehaus gibt. Wann ist denn der Einsatz eines ERP-beraters aus einem Softwarehaus überhaupt sinnvoll?

ND: Ein ERP-Berater aus einem Softwarehaus ist dann sinnvoll, wenn es um die Darstellung der Fähigkeiten genau dieser Software geht, wenn es um spezielle Anforderungen an genau diese Softwarelösung geht, wenn es um die Anwendung von Best-Practice-Wissen zu genau dieser Software geht oder auch in der Pre-Sales-Phase. Dann werden auch sehr gerne diese ERP-Berater aus einem Softwarehaus als Ansprechpartner herangezogen.

KP: Wenn man einen Berater des Softwarehauses engagiert, besteht dann nicht die Gefahr, dass dieser Berater gar nicht neutral ist?

ND: Ja genau, Das ist die große Gefahr wenn man einen Berater aus einem Softwarehaus verpflichtet. Dessen Fokus liegt natürlich auf seinem System und auf den Modulen und Funktionalitäten von seinem System. Der Fokus liegt nicht auf den unternehmensübergreifenden Prozessen des Kunden, also des Unternehmens.
KP: Was kann man dagegen jetzt tun? Wie bekomme ich als Unternehmer die geeignete Beratung vor allem eine unabhängige Beratung, die das beste Ergebnis für mich liefert?

ND: Also, um wirklich sicher zu stellen, dass man eine individuelle und natürlich auch bestmögliche Beratung erhält, empfiehlt es sich natürlich einen unabhängigen Berater zu engagieren. Nur dann hat man nämlich auch die Garantie, dass kein weiteres unternehmen dahinter steckt, das seine Produkte oder Dienstleistungen verkaufen möchte oder eben auch die in den Vordergrund stellt.

KP: wie kann ein unabhängiger Berater bei der Software-Auswahl das Unternehmen genau unterstützen?

ND: Also zum einen werden unabhängige Berater in der Regel bei den strategischen Aufgabenstellung zu IT-Strategie oder der Konzeption von Organisationslösungen oder auch für die Definition von Anforderungen an ein ERP-System oder eine andere Software eingesetzt. Zum anderen kennen die unabhängigen Berater aber auch viele unterschiedliche Unternehmen und Branchen und kennen somit auch viele unterschiedliche Problemstellungen. Dadurch können die Berater natürlich auch von Best-Practice-Ansätzen berichten und diese in die Lösung einfließen lassen, wovon natürlich am Schluss auch das Unternehmen profitiert.

KP: Du hattest am Anfang schon gesagt, dass es noch einen dritten Berater-Typ gibt, nämlich den Berater aus dem eigenen unternehmen, also den In-House-Consultant. Wann ist es überhaupt sinnvoll sich einen eigenen in In-House-Consultant zu holen?

ND: Also die Beschäftigung eines In-House-ERP-Beraters hängt natürlich ganz klar von der Größe des Unternehmens ab. Je größer das Unternehmen ist, desto sinnvoller ist der Einsatz eines In-House-Consultants. Aber In-House-ERP-Berater sind natürlich auch dort wertvoll, wo sie direkt einwirken können, also wo sie Fehler sofort beseitigen können, wo sie Test-Szenarien aufbauen können, wo sie die Software auf neue Versionen migrieren können, wo sie Anforderungen der Nutzer an das System aufnehmen können. Allerdings muss hier ganz klar geregelt sein welche Funktion der In-House Berater eigentlich inne hat: Ist er Berater für das System oder für die Infrastruktur oder ist er ein Berater für die Prozesse?

KP: Und wo genau liegen die Grenzen von einem in-house-berater?

ND: Die Grenzen eines In-House-Beraters liegen ganz klar beim Thema Weiterbildung. Wenn sich so ein Berater nicht permanent mit der Veränderung der Umwelt, also alles was außerhalb seines Unternehmens passiert, beschäftigt, kann er irgendwann seiner klassischen Beraterfunktion ja gar nicht mehr gerecht werden.
Eine innovative Beratung wäre dann eben auch gar nicht mehr möglich. Er kann auch nicht von Best-Practice-Ansätzen zehren, da ihm schlichtweg die Einblicke in andere Branchen und Innovationen außerhalb des Unternehmens fehlen. Dadurch würde sich natürlich auch eine Art Betriebsblindheit einstellen. Das ist schon die ganz große Gefahr bei In-House-Beratern.

KP: Und welches vorgehen würdest du jetzt persönlich favorisieren beziehungsweise welches vorgehen würdest du Unternehmen empfehlen ,wenn es um die Auswahl einer dieser Berater-Typen geht?

ND: Zu aller erst sollten die Unternehmen definieren, welche Art der Beratung sie wollen. Wollen sie eine produktbezogene Beratung oder wollen seine Beratung die im eigenen Unternehmen vorhanden ist und sich auch nur um die eigenen, internen Prozesse kümmert oder wollen sie eine unabhängige Beratung, die dann auch durch Best-Practice-Ansätze und -Lösungen eine wertvolle Unterstützung bietet? Je nachdem wie die Unternehmen diese Fragen beantworten, kann eben der passende Berater engagiert werden.

KP: Super! Vielen Dank für dieses sehr informative Gespräch, Nathalie.

ND: Vielen Dank.