4 Vor- und Nachteile des Cloud Computing, die Sie kennen sollten

Vor und Nachteile von Cloud Computing gegeneinander abzuwägen wird immer aktueller. Die führenden ERP-Softwareanbieter verlagern mehr und mehr Programme in die Public Cloud. Damit werden ERP-Nutzer zwangsläufig gezwungen, sich mit den Auswirkungen zu beschäftigen.

Diese sind für Unternehmen nicht unerheblich. Vor allem dann gilt es sich einen genauen Überblick zu verschaffen, wenn eine ERP-Software lokal installiert und die Standard-Office-Lösungen ( wie zum Beispiel Office 365) in der Cloud laufen.

Was ist Cloud Computing ?

Mit Cloud Computing werden Rechnersysteme beschrieben, die komplett im Internet gehostet werden und über einen Webbrowser dem Nutzer zur Verfügung gestellt wird. Das heißt der Nutzer muss sich keine Gedanken über das Hosting seiner Software-Lösung Gedanken machen. Die Software-Lösungen und Plattformen werden direkt von den Anbietern in Rechenzentren betrieben. Der Nutzer muss ausschließlich einen Client mit einer Internetverbindung besitzen um die Software aus der Cloud nutzen zu können.

Gegenüberstellung

Weshalb ist das Cloud Computing im Rahmen einer ERP-Einführung ein Thema, das besprochen werden muss?

Das Computing aus der Public Cloud gewinnt seit Jahren an Verbreitung. Viele Unternehmen scheinen ihre Bedenken langsam aufzugeben. Doch neben offensichtlichen Vorteilen gibt es nach wie vor Stolpersteine, die für eine nachhaltige Entscheidung berücksichtigt und aus dem Weg geräumt werden sollten. Einige relevante Fragen werden im folgenden Beitrag thematisiert.

Die Public Cloud hat mehrere Vorteile gegenüber von On-Premise Anwendungen.

Die Vorteile des Cloud Computings

1. Kosteneinsparungen des Cloud-Computings

Zu den häufigsten Gründen, die zugunsten des Public Cloud Computings angeführt werden, zählt sicherlich der Umstand, dass für die Services keine eigene Infrastruktur vor Ort benötigt wird. Der Cloud-Anbieter stellt die erforderlichen Ressourcen im eigenen Rechenzentrum bereit. Die Nutzer brauchen in der Regel nur einen Webbrowser und eine Internetverbindung, um auf die Dienstleistungen zuzugreifen. Der Wegfall oder zumindest eine deutliche Reduzierung von Hardware wie z. B. Server sowie die Möglichkeit zuständige IT-Fachkräfte, auf andere Aufgaben zu verlegen sind starke Argumente zugunsten eines cloudbasierten Computing. Die Kosteneinsparungen können oft sogar noch stärker ausfallen, wenn man die anfallenden Nebenkosten – z. B. für Wartungsarbeiten oder Strom, um unternehmenseigene Server zu betreiben und zu kühlen – in die Rechnung miteinbezieht.

ERP und Unternehmenssoftware in der Cloud - Entwicklung von 2015 bis heute

2. Skalierbarkeit von Cloud Software 

Skalierbarkeit bedeutet im Wesentlichen, dass Ressourcen zeitnah und kostengünstig hinzu- und abgewählt werden können. Die im Vergleich zu On-Premise-Lösungen gute Skalierbarkeit der Public Cloud Lösungen gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Argumenten für den Umstieg auf das Cloud Computing. Das bringt für Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Kurzzeitig ansteigende und wieder fallende Bedarfe können so nahezu optimal aufgefangen werden. Des Weiteren kann Cloud-Software die Umsetzung strategischer Entscheidungen auf der Unternehmensebene vereinfachen und beschleunigen. So lassen sich neu hinzukommende Unternehmen einer Gruppe oder eines Konzerns im Bedarfsfall schnell mithilfe von ERP-Lösungen aus der Cloud softwaremäßig eingliedern. Soll dann eines der verbundenen Unternehmen verkauft werden, lässt es sich ähnlich schnell wieder ausgliedern und mit einer anderen, für die Übergangsphase bzw. den Weiterbetrieb, geeigneten ERP-Software aus der Public Cloud ausstatten.

3. Griffbereite, aktuelle innovative Services durch Cloud Lösungen 

Ein Zugang zu innovativen Services ist mit der Cloud ebenfalls gegeben. Gerade in der heutigen Zeit, wo

Innovationen schnell voranschreiten, ist man softwareseitig durch das Cloud Computing dafür generell gut ausgestattet. Man bekommt zumeist den Zugriff auf die neuste Software und das zum erschwinglichen Preis. Das beinhaltet nicht nur ein modernes, benutzerfreundliches Interface, sondern auch einen Zugang zu innovativen Funktionen wie das maschinelle Lernen, Analytics oder die Blockchain.

4. Sicherheit im Cloud Computing 

IT-Sicherheit ist ein Aspekt, den sowohl Befürworter als auch Kritiker des Public Cloud Computings zur Unterstützung ihrer jeweiligen Positionen heranziehen. Auf der positiven Seite ist es in der Regel so, dass ein Public Cloud-Dienstleister viel mehr in Datensicherheit investieren kann und das meistens auch tut, als die Mehrheit der KMUs es vermutlich jemals imstande sein würde. Der Grund dafür ist, dass Sicherheit zum Hauptgeschäft des Cloud-Anbieters gehört und er meistens viel zu verlieren hat, wenn er diese Angelegenheit vernachlässigt. Auch ein vergleichbar hohes Maß an Standardisierung der angebotenen Softwarelösungen kommt einem Cloud-Dienstleister hier zugute. Sollte ein größeres Problem bei einer Software entdeckt bzw. von einem Kunden gemeldet werden, profitieren von der Problembeseitigung in der Regel automatisch auch die anderen Softwarenutzer des gleichen Cloud-Providers.

Cloud Computing und der prognostizierte Umsatz mit Software wie zum Beispiel ERP-Software

Die Nachteile des Cloud Computing

Allerdings bringt das Cloud Computing unter Umständen auch neue Probleme mit sich. Das heißt natürlich nicht, dass die Cloud generell als negativ zu beurteilen ist. Es bedeutet nur, dass diese Herausforderungen berücksichtigt werden sollten. Erst wenn sie anschließend – auf den individuellen Fall bezogen – gegen die Vorteile abgewogen werden, ergibt sich eine Basis für eine ökonomisch nachhaltige Entscheidung. Bei den meisten Herausforderungen handelt es sich auch nicht um Sachverhalte, die schwarz-weiß sind, vielmehr gibt es hier häufig mehrere Graustufen. So ergibt eine ausführlichere Auseinandersetzung oft, dass manche thematisierten Nachteile auf die gegebene Ausgangslage gar nicht oder nur bedingt zutreffen, andere lassen sich mit vertretbarem Aufwand ausschließen oder zumindest deutlich abmildern.

1. Datensicherheit & Datenverfügbarkeit

Das Argument der Abhängigkeit von einem Anbieter kann für eine Unternehmen schwer wiegen. Was die Datensicherheit und Verfügbarkeit angeht, ist man in der Regel auf den Cloud-Provider angewiesen. Im Internet und anderswo wird immer wieder über Daten- und Sicherheitslecks berichtet.

Es kursieren auch Geschichten, wo z. B. Unternehmen plötzlich keinen Zugriff auf die Software und ihre Daten in der Public Cloud hatten, weil ihnen aufgrund eines Abbuchungsfehlers oder eines ähnlichen Vorkommnisses seitens des Anbieters der Zugang gesperrt wurde. Solche Vorfälle können natürlich passieren und sollten sicherlich nicht unbeachtet gelassen werden. Allerdings lohnt sich hier eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Leistungen des Anbieters.

Das Thema wird in einem eigenständigen Beitrag dieser Serie ausführlicher behandelt. Hierzu jedoch noch eine kurze Anmerkung: Es ist auch im Interesse der meisten Cloud-Dienstleister – die mittlerweile im zunehmend umkämpften Markt agieren – solche Vorkommnisse zu vermeiden bzw. auf ein Minimum zu reduzieren. Darüber hinaus lassen sich oft mit akzeptablem Aufwand wirksame Vorkehrungen treffen.

2. Begrenzte Individualisierung 

Ein weiterer wichtigerer Punkt ist, dass Cloud-Lösungen meistens deutlich stärker standardisiert sind als ihre On-Premise-Äquivalente. Die Cloud-Anbieter möchten ihre Software möglichst vielen Nutzern unverändert bzw. nur geringfügig individualisiert bereitstellen. Auf diese Weise können sie Kosten sparen und letztendlich auch Cloud-Dienstleistungen deutlich günstiger anbieten als On-Premise-Software.

Aus der Sicht von Unternehmen, die individuelle Lösungen benötigen, ist das ein Nachteil, der ihre Spielräume unverhältnismäßig stark einschränkt. Das kann beispielsweise dann verstärkt zum Tragen kommen, wenn ERP-Software aus der Cloud mit der lokalen Software zusammenarbeiten soll.

3. Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter und Cloud Dienstleister

Ein ähnliches Thema ist die Debatte über den sogenannten Vendor Lock-in und die Portabilität bzw. Interoperabilität. Der Gedanke dahinter ist, dass Cloud-Dienstleister ihre Kunden, mit spezifischen und proprietären Lösungen zu binden versuchen und dadurch einen Anbieterwechsel zu erschweren.

4. Schlechte Portabilität

Eine Wechseloption und ein Rückverlagerungsszenario von Daten sollte deswegen zu jeder guten Cloud-Strategie gehören. Es gibt eine Reihe von Ursachen, die einen Wechsel eines Anbieters bzw. eine Datenverlagerung zurück in das Unternehmen notwendig machen können. Dabei könnte es sich z. B. um eine Neuausrichtung des Unternehmens handeln, die bestimmte Cloud-Dienste überflüssig machen würde oder um eine Einstellung einer Cloud-Leistung seitens des Anbieters. Oder noch drastischer, ein Wechsel der ERP-Software.

Zusammenfassung

ERP-Lösungen aus der Public-Cloud – so sehr deren Vorteile auch öffentlich beworben werden – haben sicherlich auch Nachteile, die im Rahmen eines ausgewogenen Entscheidungsprozesses ausführlich thematisiert werden sollten. Das heißt natürlich nicht, dass die Public-Cloud an sich eine schlechte Lösung darstellt. Es ist anzunehmen – die gegenwärtig steigende Akzeptanz deutet ebenfalls in diese Richtung, dazu gibt es genügend Untersuchungen und White-papers verschiedener Hersteller wir Oracle, SAP und Microsoft – dass die Public-Cloud aufgrund der oft überwiegenden Vorteile immer mehr lokale Softwarelösungen verdrängen bzw. komplementieren wird. Es geht nur darum, die jeweiligen Vorteile und Nachteile sorgfältig abzuwägen. In Abhängigkeit von der individuellen Ausgangslage könnte das Ergebnis dabei unterschiedlich ausfallen – oft jedoch auch zugunsten des Cloud-Computings.

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