In ERP­-Beratung

ERP – detailliert erklärt

ERP hören Sie an vielen Stellen. Bei Anwendern, Vertriebsmitarbeitern, bei IT und bei Produktionsverantwortlichen. ERP Systeme oder ERP Software haben einen langen Entwicklungsweg hinter sich, beginnend von den Anfängen der Computertechnik und deren Einsatz in der Produktion bis zum Stand von heute mit den heutigen Ausprägungen bis hin zur Cloud Technik.

ERP Systeme sind heute komplexe Software Gebilde, die in Paketen oder einer einzelnen Lösung viele Unternehmensprozesse abbilden.

ERP Systeme entwickeln rasant sich weiter, vor allem wenn an die Möglichkeiten des Einsatzes von Cloud Lösungen gedacht wird. Diese sind im Augenblick (und wir schreiben jetzt Anfang 2016) im ERP Einsatz noch unterrepräsentiert, werden aber in den kommenden Jahren an Marktanteilen gewinnen. 
Die Funktionalität einzelner Softwarepakete nimmt zu und die Möglichkeit der Auswertung von Daten wird immer besser.
 Dabei sind zwei Begriffe besonders wichtig:
 Big Data Analysen und 
BI Fähigkeiten.

Diese werden die Unternehmen, die sich mit der Auswertung von Daten (vermutlich sogar in Echtzeit) auseinandersetzen, in der Lage sein, Ihre Wettbewerbsfähigkeit drastisch zu erhöhen und die Differenz zu Nachahmern zu vergrößern.

In der Überschrift „Was ist ERP“ wird eine Frage aufgeworfen, die mit diesem Artikel wie folgt beantwortet werden soll:

  • Was sind ERP Grundsatzüberlegungen
  • Was sind inhaltliche Abgrenzungen von ERP
  • Was sind Ziele von ERP
  • Die Planungsebenen einer Organisation beim ERP Einsatz
  • Die Bedeutung von Informationen in einem ERP System

 

Was ist ERP – der Versuch einer kurzen Erklärung

ERP steht für „Enterprise Ressource Planning“, aus dem Englischen übersetzt: Unternehmens-Ressourcen-Planung“.
Dieser Begriff wird im englischen, wie auch im deutschen Sprachraum gleichbedeutend genutzt. Dennoch ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass dieser Begriff nicht die wahre Bedeutung und den wirklichen Umfang einer ERP Lösung abbildet. Der Grund dafür ist, dass es um weit mehr geht, als um die reine Planung.

Was ist ERP – es ist keine Software – es ist ein Organisationsmodell

In der Anfangszeit der IT und der Softwaresysteme wurde der Begriff ERP gerne als Synonym für ein Softwarepaket benutzt. Es geht aber heute um ein Organisationsmodell für ein Unternehmen, in dem Prozesse, die Verwaltung (das Management) und die Steuerung von Ressourcen, in vielen Fällen auch die Entwicklung und die Logistik einbezogen sind.

Inhaltliche Abgrenzungen von ERP Systemen

Wenn der Begriff der Ressourcen verwendet wird, ist es wichtig, diesen zu definieren. In der ersten Generation von Planungssystemen, die sich mit den Steuerungen von Arbeitsschritten befassten, war in einer Produktion die manuelle Steuerung vorherrschend. Große Wandtafeln mit Kärtchen aller Farben und einem Zeitstrahl waren die sichtbaren Zeichen dieser Steuerungen. In den späten 60er Jahren des letzten Jahrhunderts kamen vor allem im angelsächsischen Raum die ersten MRP Systeme auf. Die Erklärung für ein MRP System lautet: „Material Requirement Planning“ und beschäftigte sich mit der Planung der Materialien wie Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe, Zukaufteile und Halbzeuge etc. Es wurde nur das Material bzw. der Materialeinsatz geplant.

Die Entwicklung der MRP Planung war schon ein großer Schritt und eine Erleichterung für die Beteiligten, hatte aber den Mangel, dass die Ressource Maschine und die Ressource Mensch nicht geplant wurden und daher keine Rolle spielten.

Dies änderte sich etwa in der Mitte der 70er Jahre durch die Entwicklung der Philosophie des MRP II. Dabei wurde die Bedeutung des ersten Buchstabens von Material zu Manufacturing umgeleitet und mit neuen erweiterten Inhalten gefüllt. Damit war ein System entwickelt worden, welches eine Produktionssteuerung einer Fabrik mit Material, Maschinen und Personal möglich machte. Dies war dann nur noch eine kleiner Schritt zu den sogenannten PPS Systemen, die für Produktionsplanung und Produktionssteuerung standen, (in Deutschland auch als das Aachener Modell bekannt).

Dabei lag der Fokus mehr und mehr auf der Steuerung der Systeme. Rückmeldungen innerhalb einer Produktion führten zu mehr Transparenz über den Status von Aufträgen oder Artikeln. Damit wurde der Abarbeitungsstatus eines Auftrages transparent und den Verantwortlichen war es möglich, Eingriffe im System vorzunehmen und neu zu planen und wieder zu steuern. Damit konnten die ersten Erfahrungen mit Produktionsoptimierungen gewonnen werden.
 Die Rückmeldungen wurden über Betriebsdatenerfassungen (BDE Systeme) oder Maschinendatenerfassungen (MDE Systeme) und mit Hilfe zentrale Leitstände realisiert.

Dies alles ist aber schon im letzten Jahrhundert erfolgreich eingeführt worden.
Heutige, modernere ERP Systeme haben um den klassischen Kern der Produktionsplanung und Produktionssteuerung weitere Prozesse und Funktionen integriert. Dies können zum Beispiel Finanzsysteme, Controlling Systeme, Vertriebssysteme, Qualitätssysteme und viele Schnittstellen zu anderen technischen Lösungen wir CAD Software und PDM oder PLM (Produktdatenmanagement- oder Produktlifecycle-Managementsysteme) sein.

Die Integration von Datenbanken in ERP Systeme war ein nächster logischer Schritt. Einige ERP Systeme haben heute auch Schnittstellen zu bekannten großen Datenbanken, um damit den Datenaustausch und große Datenmengen auch innerhalb eines Unternehmens zu unterstützten.

 

Schwachstellen der ERP Lösungen

Dies ist aber auch ein kritischer Punkt vieler heute am Markt befindlicher ERP Systeme, denn die Datenerzeugung, die zum Beispiel ein heutiges Fertigungszentrum möglich macht, in Verbindung mit Daten des Albverkaufs von hergestellten Gütern und dies noch in einem Zusammenhang einer Optimierung der Supply Chain (SCM) zu realisieren, fällt vielen Systemen noch enorm schwer.

Wer Daten auswerten und Interpretieren kann, wird enorme Wettbewerbsvorteile erzielen.

Hier wird sich aber die Zukunft entscheiden.

Nicht nur für die Softwareanbieter sondern auch für die Unternehmen, die dieses Systeme einsetzen. 
Nur wer in der Lage sein wird, Daten auszuwerten, deren Zusammenhänge zu verstehen und daraus Managemententscheidungen zu treffen, wird die nächste Stufe der Kundenorientierung erreichen und Effizienzprofite möglich machen.

 

Welche Ziele hat ERP?

Pauschal kann gesagt werden, dass ERP Systeme die Aufgabe haben, die Prozesse in einem Unternehmen zu unterstützen und die Geschäftsprozessoptimierung nach vorne zu treiben. Damit sollen Effizienzvorteile erkannt und realisiert werden. In einem ERP System liegt der Fokus auf die Schwerpunkte:

  • Ressourcenverfügbarkeit
  • Liefertreue
  • Flexibilität auf Kundenseite wie auch in der Produktionsplanung
  • Verringerung der Durchlaufzeiten und der Senkung der Kosten.

Zur Ressourcenverfügbarkeit gibt es zwei Ausprägungen:

  1. die Bevorratung oder
  2. eine effiziente Planung

Eine Bevorratung ist immer Kapitalintensiv, deshalb ist sie heute unter der Berücksichtigung von Finanzkennziffern nicht gewollt. Der Begriff der „just in time“ Produktion ist eine Ausprägung der verringerten Lagerhaltung und wäre ohne moderne IT Systeme nicht umsetzbar. In Verbindung mit den Produktionsressourcen Maschinenkapazität, Mitarbeiterverfügbarkeit, Werkzeuge, Vorrichtungen, Logistikkapazität, Lager- und Transporteinrichtungen sowie den Mengen an Hilfs- und Betriebsstoffen werden heute Lieferungen durch komplexe IT Systeme so eingetaktet, dass es bis auf wenige Ausnahmen möglich ist, Pufferläger zu vermeiden.

Zur Liefertreue ist zu sagen, dass sich Störungen im Zulieferprozess immens auf eine Supply Chain auswirken. Deshalb sind Verknüpfungen zu Qualitätsmanagement Systemen in heutigen ERP Systemen eingebaut, Lieferantenbewertungssysteme ermöglichen die Bewertung der Liefertreue und anderer Parameter. 
Durch die Aufbereitung dieser Daten, sind Verantwortliche in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die bis zu einem Lieferantenwechsel führen können.

Im Rahmen der Flexibilität wird heute von einem ERP System verlangt, dass es die Losgröße 1 realisieren kann und dennoch im Rahmen der Variantenvielfalt die jeweils ökonomisch sinnvollste Lösung berechnet. 
Dies wird eine große Herausforderung im Rahmen einer Industrie 4.0 Idee, bei der ein Produkt mit der Stückzahl 1 mit der Qualität und der Effizienz einer Serienfertigung hergestellt werden soll. Dies sind Herausforderungen, die an das ERP System gestellt werden (z.B. Rechenleistung) und gleichzeitig auch an das Organisationsmodell des Unternehmens große Anforderungen stellen.

Flexibilisierung von ERP Software

Für viele ERP Systeme ist gerade die Frage der Flexibilisierung eine große Herausforderung. Dies deshalb, weil die Informationen in der Regel schnell benötigt werden, um Entscheidungen zu treffen. Daher sind Modelle, bei denen nachts im Batch Betrieb die Produktionsplanungsprozesse bearbeitet werden, keine Lösungen mehr für die Zukunft.
 Die benötigten Datenmengen und der real time Ansatz ist heute einer der Wettbewerbsfaktoren. Daher wird es darauf ankommen, dass die Rechenleistung groß genug ist, diese Daten sofort zu verarbeiten, sie sinnvoll maschinell aufzubereiten und dem Management zur Verfügung zu stellen.

 

Die ERP Software wird sich permanent an die Business Anforderungen anpassen müssen

Eine weitere, wichtiger werdende Aufgabe wird die Unterstützung der Prozesse sein. Es wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, ein ERP System zu installieren und dann für mehrere Monate oder sogar Jahre nicht mehr anzufassen und die Prozesse zu optimieren.

Es wird darauf ankommen, dass die Software schnell und unmittelbar sich verändernde Organisationsstrukturen abbilden und Prozesse neu erstellen und optimieren kann.

 Damit haben auch die bisherigen Auswahlverfahren, die sich mit den Funktionen der ERP Software im Schwerpunkt befassen, ausgedient. Sie sind Werkzeuge des letzten Jahrhunderts.

Damit ist in einem groben Rahmen die Philosophie einer ERP Lösung aus Sicht von Dreher Consulting dargestellt.

 

Recommended Posts
ERP Beratung und Strategische EntscheidungenChief Digital Officer