TOGAF, Zachman, ArchiMate 4.0, BIZBOK, SAFe, COBIT — welche Frameworks im DACH-Mittelstand wirklich tragen, welche kombinieren sich, und welche man bewusst weglässt.
AM-Reihe · Teil 3
Teil 1: ERP-Auswahl auf Architektur-Basis · Teil 2: EAM in der digitalen Transformation. Dieser Beitrag widmet sich der Framework-Frage — welche Bausteine wann tragen, und welche man im Mittelstand bewusst weglässt.
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Aus unserem Beratungsalltag In vielen Erstgesprächen mit Mittelstands-Geschäftsführungen liegt dieselbe Frage auf dem Tisch: „Sollen wir TOGAF einführen?" Die ehrlichste Antwort lautet fast immer: Nein — jedenfalls nicht so, wie es in der Schulungsbroschüre steht. TOGAF ist ein 700-seitiger Standard, der für Großkonzerne mit dedizierten Architektur-Teams konzipiert wurde. Wer das ungefiltert in ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitenden hineinträgt, importiert Konzern-Bürokratie statt Klarheit. Das eigentliche Problem ist selten welches Framework — sondern wie viel Framework überhaupt sinnvoll ist. Wir haben in Mittelstandsprojekten gesehen, dass drei Wochen pragmatisches Tailoring mehr bewirken als sechs Monate orthodoxe TOGAF-Schulung. Aus der Vorgehensweise unserer letzten 100 Projekte hat sich ein Muster herauskristallisiert: nicht eine Standardmethode, sondern ein Methoden-Toolkit, das auf den jeweiligen Mandanten angepasst wird. Genau dieses Tailoring ist der Punkt, an dem Frameworks vom theoretischen Ballast zum operativen Hebel werden. Der Maßstab dafür ist nicht „Wie viele Modelle haben wir gezeichnet?", sondern: Hat eine Geschäftsführerin oder ein Geschäftsführer am Ende des Workshops eine Entscheidung getroffen, die sie oder er ohne das Framework nicht hätte treffen können? |
Die wichtigste Antwort in 60 Sekunden
Kein einziges Framework — weder TOGAF 10, ArchiMate 4.0 (April 2026), Zachman, BIZBOK v15, SAFe 6.0, COBIT 2019 noch IT4IT — wurde primär für mittelständische Unternehmen geschrieben. Die richtige Antwort ist deshalb fast immer eine schlanke Kombination: ArchiMate für die Visualisierung, ausgewählte TOGAF-Bausteine (ADM-Zyklus, Capability-Modell), bei Bedarf BIZBOK für die fachliche Sicht.
Bei Dreher Consulting verstehen wir Frameworks als Orientierungshilfe, nicht als Dogma — kombiniert mit langjähriger Mittelstandserfahrung und ergänzt durch KI-gestützte Analysen. 33+ Jahre Beratung, 1.200+ Projekte, 100 % herstellerunabhängig. Sie sprechen direkt mit Dr. Dreher, nicht mit einer Junior-Beraterin im dritten Subteam.
Ein Architektur-Framework ist kein Ergebnis. Es ist eine Sprache, eine Struktur und ein Vorgehen, das die Komplexität moderner Unternehmensarchitekturen handhabbar macht. Die Komplexität wächst — Geschäftsmodelle verschieben sich, Cloud, KI und Plattformen treiben heterogene Landschaften, Regulatorik wie der EU AI Act und NIS-2 fordern Nachweispflichten. Frameworks geben dieser Komplexität ein Raster.
Konkret leisten Frameworks vier Dinge:
Was Frameworks nicht leisten: sie treffen keine Entscheidungen. Sie ersetzen keine Geschäftsführung, keine Verhandlung mit Anbietern, keine politische Klärung zwischen Fachbereichen. Wer ein Framework als Selbstzweck einführt, hat die wichtigste Erkenntnis aus 30 Jahren Architekturpraxis übersehen: Aus unserer Erfahrung ist die Kennzahl, die wirklich zählt, nicht die Vollständigkeit der Modelle, sondern die Reaktionszeit auf eine Architekturfrage aus dem Lenkkreis.
Wer in Architekturkreisen mitreden will, kennt diese drei Namen. Wir haben sie in Hunderten Mittelstandsprojekten eingesetzt — und ebenso oft bewusst nicht eingesetzt. Ein ehrliches Profil pro Framework, ohne Folklore.
TOGAF 10
The Open Group · seit 2022
Der weltweit verbreitetste EAM-Standard. Vier-Dimensionen-Modell (Business, Application, Data, Technology) plus iterativer Architecture Development Method (ADM)-Zyklus.
Stärken
•Vollständiger methodischer Rahmen
•Globale Verbreitung, große Community
•Frei für interne Nutzung
Schwächen
•Sehr umfangreich, hohe Einstiegshürde
•Tendiert zu Konzern-Formalismus
•Ohne Tailoring im KMU schwer tragbar
Mittelstands-Fit: Eingeschränkt komplett, aber Bausteine wie ADM-Zyklus und Capability-Modell sind sehr nützlich, wenn pragmatisch adaptiert.
Zachman Framework
Zachman International · 1987
Eines der ältesten Modelle. Eine zweidimensionale Matrix (Was, Wie, Wo, Wer, Wann, Warum × Stakeholder-Sicht) — mehr Ordnungsraster als Methode.
Stärken
•Hohe konzeptionelle Klarheit
•Saubere Trennung der Sichten
•Universelles Strukturraster
Schwächen
•Keine Vorgehensanleitung
•Keine Werkzeuge oder Prozesse
•Reines Denkmodell
Mittelstands-Fit: Begrenzt operativ, aber wertvoll als Diskussionsraster in Workshops, wenn Sichten zwischen Fachbereich und IT auseinanderlaufen.
ArchiMate 4.0
The Open Group · April 2026
Keine Methode, sondern eine standardisierte Modellierungssprache zur Visualisierung von Architekturen. ArchiMate 4.0 ist die größte Erweiterung seit Version 3.0 und besonders kompatibel mit TOGAF.
Stärken
•Klare, präzise Notation
•Ausgezeichnete Tool-Unterstützung
•Vendor-neutral, weltweit lesbar
Schwächen
•Lernkurve bei der Notation
•Im Mittelstand noch wenig bekannt
•Keine Vorgehens- oder Prozesslogik
Mittelstands-Fit: Sehr gut, sofern schlank visualisiert wird (z.B. mit Sparx EA, Archi, BiZZdesign). Unsere häufigste Empfehlung als Visualisierungssprache.
Unsere Einordnung: TOGAF ohne ArchiMate fühlt sich an wie ein Architekt ohne Zeichenstift. ArchiMate ohne TOGAF (oder ein gleichwertiges Vorgehen) fühlt sich an wie ein Zeichenstift ohne Architekt. Erst die Kombination liefert im Mittelstand verlässlich.
Für den schnellen Überblick — anhand der Kriterien, die im Mittelstand tatsächlich zählen, nicht nach akademischer Vollständigkeit.
| Kriterium | TOGAF 10 | Zachman | ArchiMate 4.0 |
|---|---|---|---|
| Strukturierungsgrad | Hoch | Hoch | Mittel |
| Methodik enthalten | Ja (ADM) | Nein | Nein |
| Visualisierungsqualität | Konzeptionell | Gering | Hoch |
| Praxistauglichkeit Mittelstand | Mittel (mit Tailoring) | Gering | Hoch (mit Toolwahl) |
| Bekanntheit DACH | Sehr hoch | Mittel | Steigend |
| Tool-Unterstützung | Sehr gut | Gering | Sehr gut |
| Einstiegskurve | Steil | Mittel | Mittel |
| Lizenzkosten | Frei (intern) | Frei | Frei (Spec) |
Quelle: Dreher-Consulting-Analyse auf Basis von Open-Group-Dokumentation, Zachman International, Forrester EAM Suites Landscape (Q4 2025) und 1.200+ Praxisprojekten — Stand Mai 2026.
Die drei Klassiker decken nicht alles ab. Vier Frameworks ergänzen sie an konkreten Stellen — und sind im Mittelstand häufig wertvoller als ein orthodoxer TOGAF-Roll-out.
Vom Business Architecture Guild im April 2026 in der 15. Auflage veröffentlicht. BIZBOK steht auf der Geschäftsseite und liefert genau das, was TOGAF business-seitig oft zu abstrakt lässt: ein konkretes Capability-Map-Vorgehen, Stakeholder-Modelle, Wertstrom-Logik. Im Mittelstand setzen wir BIZBOK gezielt dort ein, wo die Architektur direkt am Geschäftsmodell andocken muss — etwa beim Übergang von der Strategie zur Investitionsplanung.
SAFe 6.0 (zuletzt aktualisiert September 2025, inklusive AI-Empowered-Agility-Ergänzungen) ist kein klassisches EAM-Framework, sondern ein Skalierungsmodell für agile Lieferung. Im Mittelstand relevant, sobald mehrere agile Teams architekturelle Abstimmung brauchen. SAFe liefert die Konzepte „Architecture Runway" und „System Architect" — beide passen sehr gut zur modularen, sprintfähigen Architektur, die wir bei Dreher Consulting empfehlen.
Von ISACA, weiterhin in der 2019er Edition aktuell, mit 40 Governance- und Management-Zielen. COBIT ist im Mittelstand selten ein eigenständiges Projekt — aber überall dort relevant, wo Compliance- und Audit-Anforderungen (NIS-2, DSGVO, branchenspezifische Regulierung) in die Architektur eingebettet sein müssen.
Eine Referenzarchitektur speziell für die IT-Wertschöpfung selbst. IT4IT ist nützlich, wenn die IT-Organisation als eigenes Geschäft gedacht wird (Strategy-to-Portfolio, Requirement-to-Deploy, Request-to-Fulfill, Detect-to-Correct). Im Mittelstand setzen wir IT4IT punktuell ein — vor allem in IT-Service-Management-Diskussionen.
Aus unserer Erfahrung: Sie brauchen keines dieser Frameworks vollständig. Sie brauchen genau die Bausteine, die zu Ihrer aktuellen Frage passen — und die Disziplin, den Rest bewusst wegzulassen.
30 Minuten Klarheit zur Framework-Frage — direkt mit Dr. Dreher
Welche Bausteine bringen Ihrem Unternehmen heute den größten Hebel? Kein Verkaufsgespräch.
Statt einer monolithischen Framework-Wahl empfehlen wir einen Stack — vier Schichten, die sich gegenseitig ergänzen, ohne Doppelarbeit. So sieht er in unseren Mittelstandsprojekten aus.
Wichtig: dieser Stack wird nicht „eingeführt" wie ein Konzern-Programm. Er entsteht inkrementell, beginnend mit der Schicht, die das aktuelle Problem löst. Wir haben in einem mittelständischen Industrieprojekt mit ungefähr 2.000 Mitarbeitenden gesehen, dass die Kombination aus ArchiMate-Visualisierung und ADM-orientierter Iteration ausreichend war, um in neun Monaten 40 % redundante Schnittstellen zurückzubauen — ganz ohne formellen TOGAF-Roll-out. Der Maßstab ist der gelöste Problemfall, nicht die abgeschlossene Schulung.
Der schnellste Weg zur richtigen Framework-Wahl ist nicht ein Lehrbuch — es ist ein konkreter Anwendungsfall. Drei Muster, die in Mittelstandsprojekten regelmäßig auftauchen.
Rezept 1
Sie haben über die Jahre Insellösungen, parallele Cloud- und On-Premise-Systeme angesammelt. Niemand kann mehr sagen, wo die Datenwahrheit liegt. Sie wollen erst Transparenz, dann Konsolidierung.
Rezept 2
Die Geschäftsführung hat eine neue Strategie verabschiedet — neue Märkte, neues Servicegeschäft, neue Plattform. Sie brauchen einen klaren Pfad von der Strategie bis zur Capability-Roadmap.
Rezept 3
NIS-2, EU AI Act, branchenspezifische Audits (ISO 27001, MDR, GMP) — Sie wollen, dass Ihre Architektur die Nachweispflichten von Tag eins mitträgt, nicht nachträglich.
Frameworks scheitern selten am Inhalt. Sie scheitern an der Einführung. Aus 1.200+ Projekten haben wir sechs Muster destilliert, die in Mittelstandsprojekten regelmäßig zu Reibungsverlusten führen — und die mit etwas Disziplin alle vermeidbar sind.
Drei Dinge unterscheiden uns konkret in der Framework-Frage.
Erstens
Aus über 100 Mittelstandsprojekten und mehr als 20 Jahren Erfahrung mit Frameworks, Tools und Tailoring-Strategien haben wir ein Methoden-Toolkit entwickelt, das wir auf Ihren Kontext anpassen — nicht eine Standardmethode von der Stange.
Zweitens
Wir haben TOGAF in den 2000ern eingeführt, bevor es Mode wurde. ArchiMate seit Version 2.0 in Mittelstandsprojekten eingesetzt. Diese Erfahrung lässt sich nicht abkürzen — und sie ist im Mittelstand der eigentliche Unterschied zwischen einem dogmatischen Roll-out und einer pragmatischen Lösung.
Drittens
Keine Provisionen, keine Partnerstufen, keine Implementierungs-Marge im Hintergrund. Wir empfehlen Ihnen das Tool, das in Ihre Architektur passt — nicht das, an dem wir mitverdienen.
+ Mittelstands-Vorteil
Nicht mit einer Junior-Beraterin im dritten Subteam.
In einem 30-minütigen Erstgespräch klären wir mit Ihnen, welche Framework-Bausteine in Ihrer aktuellen Situation den größten Hebel haben — und welche Sie bewusst weglassen dürfen. Sie verlassen das Gespräch mit einer konkreten Empfehlung und einem klaren nächsten Schritt, nicht mit einem Verkaufsgespräch.
Nein. Ein vollständiger TOGAF-Roll-out ist im Mittelstand fast immer überdimensioniert. Wir empfehlen einen „Best-of"-Ansatz: nur die Bausteine nutzen, die ein konkretes aktuelles Problem lösen. Typischerweise reichen ArchiMate 4.0 für die Visualisierung plus zwei bis drei TOGAF-Bausteine (ADM-Zyklus, Capability-Modell). Alles andere kommt nach Bedarf.
Unsere häufigste Empfehlung: ArchiMate 4.0 als Visualisierungssprache, ausgewählte TOGAF-Bausteine (ADM-Zyklus, Capability-Modell) für das Vorgehen, BIZBOK v15 für die Geschäftssicht, ergänzt durch SAFe-Konzepte wenn mehrere agile Teams involviert sind, und ausgewählte COBIT-2019-Ziele für Audit- und Compliance-Anforderungen.
Erste sichtbare Ergebnisse — eine Capability-Map auf einer Seite, eine erste ArchiMate-Visualisierung der Ist-Architektur, ein priorisiertes Backlog — entstehen in vier bis acht Wochen. Eine vollständige Verankerung im Lenkkreis und in der Investitionsplanung ist ein kontinuierlicher Prozess über sechs bis 24 Monate.
TOGAF ist ein Vorgehen — wie eine Bauanleitung. ArchiMate ist eine Notation — wie der Bauplan-Zeichensatz. In der Praxis empfehlen wir beide, aber nicht orthodox: die ADM-Logik aus TOGAF, ohne formal TOGAF-zertifiziert zu sein, und ArchiMate als Sprache, ohne jeden Diagrammtyp einzusetzen.
Im Mittelstand starten wir oft mit Archi (Open Source) — frei verfügbar, ausreichend für die ersten neun Monate. Wenn Pflege und Versionierung wichtiger werden, wechseln viele unserer Kundinnen und Kunden zu Sparx Enterprise Architect oder BiZZdesign Horizzon.
Schlanke Ist-Aufnahme in zwei bis vier Wochen, gezielte Auswahl der relevanten Framework-Bausteine, Integration in Ihre bestehenden Prozesse — ohne Konzern-Bürokratie. In einem Mittelstandsprojekt haben wir auf diese Weise die Architekturdokumentation um rund 70 % reduziert und gleichzeitig die Transparenz spürbar gesteigert.
KI beschleunigt vor allem drei Dinge: die automatisierte Erkennung von Schnittstellen-Redundanzen, die Erstellung erster ArchiMate-Modelle aus bestehenden Dokumenten und die Priorisierung von Migrations-Roadmaps. KI-Empfehlungen werden bei uns nachvollziehbar dokumentiert — nie als Black Box. Unser KI-gestütztes Modell SCOReX® kommt vor allem in Anbieter- und Portfolio-Fragen zum Einsatz.
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