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Was ist BPM (Business Process Management)?

Matthias Müller Autor:
Veröffentlicht: August 10, 2026  ·  4 Min. Lesezeit
Kurze Antwort
In Kürze. Business Process Management (BPM) ist eine Disziplin, keine Software-Kategorie — Gartner definiert es als die Methode, Geschäftsprozesse zu entdecken, zu modellieren, zu analysieren, zu messen, zu verbessern und zu optimieren. Sechs Phasen bilden den Lebenszyklus, den Forrester mit 30 bis 50 Prozent Produktivitätsgewinn im Backoffice belegt. Wer BPM mit dem Kauf eines BPMS gleichsetzt, hat den Zeitpunkt der Werkzeugwahl mit dem Zweck der Disziplin verwechselt — und beginnt im falschen Quadrat.

Warum das zählt. Business Process Management (BPM) ist eine Disziplin, keine Softwarekategorie. Gartner definiert BPM als die Methode, Geschäftsprozesse zu entdecken, zu modellieren, zu analysieren, zu messen, zu verbessern und zu optimieren. Wer BPM mit dem Kauf eines BPMS gleichsetzt, hat den Zeitpunkt der Werkzeugwahl mit dem Zweck der Disziplin verwechselt — und beginnt im falschen Quadrat.


BPM als Disziplin — was sie umfasst

BPM koordiniert das Verhalten von Menschen, Systemen, Informationen und Dingen, um Geschäftsergebnisse im Sinne einer Geschäftsstrategie zu erzielen. Die IBM-Definition macht das explizit. Ein BPMS (Business Process Management Suite) ist eine Anwendungsinfrastruktur, die diese Disziplin technisch trägt — sie ist nicht die Disziplin selbst.

  • BPM als Methode umfasst Modellierung, Governance, Messung und kontinuierliche Verbesserung. Sie lebt unabhängig vom Werkzeug.

  • Ein BPMS ist die Software, die Modellierung, Ausführung, Monitoring und Optimierung in einer Plattform vereint.

  • Workflow-Engines, RPA, Process-Mining sind ergänzende Werkzeuge — sie können in einem BPMS integriert sein oder als eigenständige Lösungen laufen.


Der BPM-Lebenszyklus in sechs Phasen

Der BPM-Lebenszyklus ist branchenübergreifend etabliert und folgt einer wiederkehrenden Schleife. Forrester-Daten zeigen, dass BPM-Projekte 30 bis 50 Prozent Produktivitätsgewinn im Backoffice und 15 bis 30 Prozent bei Wissensarbeitern liefern — vorausgesetzt, der Zyklus wird durchlaufen, nicht abgekürzt.

  • Phase 1 — Entdeckung: Ist-Aufnahme, Process-Mining, strukturierte Interviews.

  • Phase 2 — Modellierung: BPMN 2.0-Diagramme, Verantwortlichkeiten je Schritt, Ausnahmepfade.

  • Phase 3 — Analyse: Kennzahlen, Engpässe, Variabilität.

  • Phase 4 — Verbesserung: Sollkonzept mit messbaren Zielen.

  • Phase 5 — Implementierung: Workflow-Engine, ERP-Erweiterung oder organisatorische Maßnahme.

  • Phase 6 — Überwachung: KPI-Tracking, Drift-Erkennung, regelmäßige Reviews.


BPM versus Workflow Management — die häufigste Verwechslung

Workflow Management ist operativ — es steuert die Ausführung eines konkreten Prozesses. BPM ist strategisch — es entscheidet, welche Prozesse überhaupt existieren sollen, wer sie verantwortet und wie sie sich entwickeln. Wer einen Workflow einrichtet, ohne BPM zu betreiben, automatisiert eine Insel ohne Brücke zum Geschäftsmodell.

Ein typischer Fehlstart im Mittelstand: ein BPMS wird gekauft, weil eine Abteilung Workflows braucht. Sechs Monate später läuft ein Modul produktiv, aber niemand hat ein Prozessmodell auf Unternehmensebene — und die nächste Abteilung beginnt mit einer eigenen, inkompatiblen Modellierung. Die Folge ist Schatten-IT auf BPM-Niveau. Eine methodische ERP-Auswahl setzt deshalb das Prozessmodell vor der Werkzeugwahl an.


Was Sie als Nächstes tun

Wenn Sie BPM im Unternehmen sauber aufsetzen wollen:

  1. Benennen Sie eine Prozess-Eigentümerin oder einen Prozess-Eigentümer je Hauptprozess.

  2. Modellieren Sie zuerst auf Unternehmensebene — ein Hauptprozess-Modell mit höchstens fünfzehn Prozessen.

  3. Wählen Sie BPMS oder Workflow-Engine erst, nachdem das Modell steht.

Wenn Sie die BPM-Aufsatz-Logik anbieterneutral validieren wollen, sondieren wir die Methodik in zwanzig Minuten — bevor irgendein BPMS unterschrieben wird.

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FAQ

BPM ist eine Disziplin (Gartner) mit zugehörigen Methoden — Modellierung, Analyse, Optimierung. Sie ist breiter angelegt als eine einzelne Methodik wie Six Sigma oder Lean, integriert diese aber als Werkzeuge im Lebenszyklus.

Sechs Phasen — Entdeckung, Modellierung, Analyse, Verbesserung, Implementierung, Überwachung. Die Schleife wird wiederholt, nicht einmal durchlaufen. Forrester misst 30 bis 50 Prozent Produktivitätsgewinn im Backoffice, wenn der Zyklus etabliert ist.

Six Sigma und Lean sind Verbesserungsmethoden, die BPM in Phase 4 (Verbesserung) integriert. BPM stellt den Rahmen — welche Prozesse existieren, wer sie verantwortet, wie sie gemessen werden. Six Sigma und Lean liefern Werkzeuge für gezielte Optimierung innerhalb dieses Rahmens.