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Wie weit ist die Digitalisierung in der Logistik?

Dr. Harald Dreher Autor:
Veröffentlicht: August 17, 2026  ·  4 Min. Lesezeit
Kurze Antwort
In Kürze. Die Logistikbranche hält sich für Deutschlands digitalen Vorreiter — und liegt damit teilweise richtig. Bitkom misst 61 Prozent IoT-Einsatz, 59 Prozent WMS und nur 14 Prozent Digital Twin. Drei Welten trennen die Praxis: Intralogistik, Supply Chain, Last Mile. Der ehrliche Engpass ist nicht die Sensorik, sondern die Integrationsschicht zwischen WMS und ERP — und ab 2026 ist Digitalisierung der Logistik Compliance-Thema, nicht mehr nur Effizienz.

 

Warum das zählt. Die Logistikbranche hält sich für Deutschlands digitalen Vorreiter — und sie hat damit teilweise Recht. Laut Bitkom-Befragung nutzen 61 Prozent der Logistikunternehmen IoT und 59 Prozent ein Warehouse Management System. Doch dieselbe Branche unterhält die längsten EDI-Altlasten in ganz Deutschland. Die ehrliche Diagnose: nicht die Sensorik fehlt, sondern die Integrationsschicht zwischen WMS und ERP.


Drei Logistik-Welten — drei Problem-Formen

Wer „Digitalisierung Logistik" einheitlich behandelt, übersieht, dass Intralogistik, Supply Chain und Last Mile fundamental unterschiedliche Engstellen haben.

  • Intralogistik: WMS, Pick-by-Voice, autonome Fördertechnik. Engstelle: die Anbindung an das ERP — Bestandsdrift, Doppelbuchungen, EDI-Brüche.

  • Supply Chain: Lieferanten-EDI, Bestellanstöße, Track&Trace. Engstelle: Datenformat-Vielfalt — jede Partnerseite hat ihren eigenen EDIFACT-Dialekt.

  • Last Mile: Tourenplanung, Telematik, Empfangs-Quittung. Engstelle: Mobilgerät-Robustheit und Schichtsystem-Akzeptanz, nicht Software-Funktion.


Was die Bitkom-Daten wirklich zeigen — und was nicht

Sechs von zehn Logistikunternehmen nutzen IoT, knapp sechzig Prozent ein WMS — aber nur jedes vierzehnte (14 Prozent) setzt einen Digital Twin produktiv ein. Diese Zahl ist die ehrliche Lücke. Jedes fünfte Logistikunternehmen setzt KI ein. Das klingt fortschrittlich — bedeutet aber auch, dass 80 Prozent keinen produktiven KI-Anwendungsfall haben.

Hinzu kommt die regulatorische Schicht: CSRD und CBAM zwingen Logistiker, Emissionsdaten je Sendung zu erfassen. Ohne Digital Twin oder zumindest strukturiertes Tour-Logging wird das zur manuellen Excel-Übung. Die Digitalisierung der Logistik ist 2026 deshalb nicht mehr Effizienzthema — sie ist Compliance-Thema.


Wo Logistik-Projekte scheitern — und warum es selten am WMS liegt

Ein süddeutscher Distributionsdienstleister mit rund 240 Beschäftigten führte ein neues WMS ein. Die Implementierung lief sauber, das System ging termingerecht produktiv. Vier Wochen später zeigte das ERP einen Bestandswert, der mehr als sieben Prozent vom WMS abwich. Niemand hatte die Buchungssynchronisation getestet — sie war als Schnittstelle parametriert, nicht als Geschäftsregel modelliert. Sechs Monate vergingen, bis das Vertrauen wieder hergestellt war.

In der Praxis entscheiden zwei Dinge: die Integrationsschicht zwischen WMS und ERP muss als eigenes Modellierungs-Artefakt vorliegen — nicht als Schnittstellen-Doku in der Anlage 4. Und der ERP-Backbone muss vor der Digitalisierungs-Initiative belastbar sein. Eine methodische ERP-Auswahl klärt diese Schicht vorab.


Was Sie als Nächstes tun

Wenn Sie ein Logistik-Digitalisierungsvorhaben sauber aufsetzen wollen:

  1. Klassifizieren Sie das Vorhaben — Intralogistik, Supply Chain oder Last Mile — und behandeln Sie es nicht als Einheit.

  2. Prüfen Sie die WMS-ERP-Integrationsschicht als eigenes Modellierungs-Artefakt vor der Werkzeugwahl.

  3. Verknüpfen Sie das Projekt mit Ihrer CSRD/CBAM-Roadmap — Emissionsdaten gehören in dieselbe Erfassungslogik.

Wenn Sie diese drei Schritte am konkreten Logistik-Vorhaben durchspielen wollen, sondieren wir die Integrationsschicht mit Ihnen in zwanzig Minuten — bevor das WMS-Lastenheft geschrieben wird.

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FAQ

Sechs von zehn Logistikunternehmen nutzen IoT und 59 Prozent ein WMS (Bitkom). Bei Digital Twins liegt der Anteil bei 14 Prozent, bei KI bei 20 Prozent. Die Branche sieht sich zu 56 Prozent als digitaler Vorreiter — gesamtwirtschaftlich nur 32 Prozent. Der ehrliche Engpass ist die Integration zwischen WMS und ERP, nicht die Sensorik.

CSRD und CBAM zwingen zur Erfassung von Emissionsdaten je Sendung. Ohne strukturiertes Tour-Logging oder Digital Twin wird das zur manuellen Excel-Übung. Digitalisierung der Logistik ist 2026 deshalb Compliance-Thema, nicht nur Effizienz-Thema — Reporting-Logik gehört in die Architektur.

Die WMS-ERP-Integrationsschicht — als Modellierungs-Artefakt, nicht als Anlage zum Lastenheft. Außerdem die Bestandsbuchungs-Synchronisation als Geschäftsregel: wer bucht wann was, wer prüft die Differenz. Und die CSRD-Reporting-Logik: welche Felder pro Sendung erfasst werden müssen.