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Was ist Prozessdigitalisierung — und wo fängt man an?

Matthias Müller Autor:
Veröffentlicht: August 14, 2026  ·  4 Min. Lesezeit
Kurze Antwort
In Kürze. Prozessdigitalisierung ist die systematische Überführung wiederkehrender Abläufe in software-gestützte, messbare Prozesse — und sie hat in Deutschland gerade ein konkretes Verfallsdatum. Vier Schritte tragen: Prozessmodell, Reifegrad-Audit, Werkzeugentscheidung, Two-Speed-Architektur. Das BMWK-Programm Mittelstand-Digital endet am 31. Dezember 2026 — die Konzeptphase gehört jetzt vorgezogen.

 

Warum das zählt. Prozessdigitalisierung ist die systematische Überführung wiederkehrender Abläufe in software-gestützte, messbare Prozesse — und sie hat in Deutschland gerade ein konkretes Verfallsdatum. Das BMWK-Programm Mittelstand-Digital endet am 31. Dezember 2026. Eine Nachfolgemaßnahme ab 2027 ist angekündigt, aber nicht ausgestaltet — das verschiebt die Sequenzierung Ihrer nächsten Vorhaben.


Wann Prozessdigitalisierung sinnvoll ist — und wann sie wartet

Prozessdigitalisierung passt, wenn:

  • ein dokumentierter Sollprozess existiert — keine Variantenvielfalt im Kopf;

  • die Datenqualität der relevanten Stammdaten geprüft ist;

  • Prozess-Eigentümerschaft mit Entscheidungsmandat benannt ist.

Prozessdigitalisierung wartet, wenn:

  • die Organisation den Sollprozess nicht abnehmen will — politische Klärung kommt vor technischer;

  • die ERP-Plattform innerhalb der nächsten zwölf Monate gewechselt wird — sonst digitalisieren Sie auf einer Sandbank;

  • kein Budget für die laufende Pflege existiert — digitalisierte Prozesse sind kein Einmal-Investment.


Die vier Schritte zur Prozessdigitalisierung

Belastbare Prozessdigitalisierung folgt einer wiederholbaren Logik. Bitkom-Daten zeigen 41 Prozent KI-Nutzung bei deutschen Unternehmen — die Methodik trägt diese Welle. Sie ist unabhängig vom späteren Werkzeug — BPMS, Workflow-Engine, ERP-Erweiterung oder schlanke No-Code-Lösung — und sie verzahnt sich mit Ihrer ERP-Strategie.

  • Schritt 1 — Prozessmodell: Hauptprozesse identifizieren, Schnittstellen markieren, Verantwortung zuordnen. Output: ein Prozesslandkarte auf Unternehmensebene.

  • Schritt 2 — Reifegrad-Audit: Bitkom-Reifegradmodell 3.0 anwenden, Schwachstellen je Dimension dokumentieren. Output: priorisierte Maßnahmenliste.

  • Schritt 3 — Werkzeugentscheidung: für jeden Top-Prozess entscheiden — Workflow-Engine, ERP-Erweiterung, RPA oder organisatorisch. Output: dokumentierte Technologie-Wahl.

  • Schritt 4 — Two-Speed-Architektur: stabile ERP-Backbone, agile Prozessautomatisierungs-Schicht darüber. Output: Architektur-Skizze mit Schnittstellen-Logik.


Das Förder-Fenster — und warum es Ihre Reihenfolge ändert

Ein nordrhein-westfälischer Spezialdienstleister mit rund 90 Beschäftigten plante die Digitalisierung der Auftragsabwicklung für Q3 2027. Im Sommer 2026 stellte sich heraus, dass die anstehende BMWK-Beratung nur noch bis 31. Dezember 2026 kostenfrei verfügbar war. Die Konsequenz: das Konzept wurde vorgezogen, die Implementierung blieb in Q3 2027 — aber die Beratungskosten von rund 28.000 Euro entfielen vollständig.

In der Praxis bestimmt dieses Stichdatum die Sequenz der nächsten zwölf Monate. Wer ein größeres Digitalisierungsvorhaben plant, sollte die Konzeptphase vor das Jahresende ziehen — und die begleitende Beratungsleistung mit Förderoption verknüpfen. Die Implementierung kann später folgen.


Was Sie als Nächstes tun

Wenn Sie Prozessdigitalisierung noch dieses Jahr sequenzieren wollen:

  1. Erstellen Sie eine Liste der Top-fünf-Prozesse mit messbarem Volumen und dokumentiertem Sollkonzept.

  2. Prüfen Sie für jeden Prozess die Förderfähigkeit über Mittelstand-Digital oder „Digital Jetzt".

  3. Buchen Sie die Konzeptphase vor Q4 2026, die Implementierung kann später laufen.

Wenn Sie diese Sequenzierung an Ihrem Portfolio durchspielen wollen, sondieren wir die Schritte in zwanzig Minuten — bevor sich das Förder-Fenster schließt.

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FAQ

Die systematische Überführung wiederkehrender Abläufe in software-gestützte, messbare Prozesse. Sie umfasst Prozessmodell, Reifegrad-Audit, Werkzeugentscheidung und Architektur — nicht nur die Software-Auswahl. Prozessdigitalisierung ist die operative Umsetzung der digitalen Transformation auf Prozessebene.

Mit der Prozesslandkarte auf Unternehmensebene. Erst wenn die Top-fünf-Hauptprozesse identifiziert und mit Verantwortung versehen sind, lohnt die werkzeugbezogene Entscheidung. Ohne Landkarte digitalisiert man Inseln, die später nicht zueinander passen.

Digitale Transformation ist strategisch — sie betrifft Geschäftsmodell, Kundenbeziehung, Wertschöpfung. Prozessdigitalisierung ist operativ — sie überführt einzelne Abläufe in software-gestützte Prozesse. Transformation entscheidet das Was, Prozessdigitalisierung liefert das Wie.