Ein Biopharma-Unternehmen, das forscht und entwickelt, arbeitet anders als eines, das produziert. Das Unternehmen vollzog genau diesen Übergang — und stieß dabei auf eine Lücke, die in dieser Wachstumsphase typisch ist: Die Verfolgung der Produkte über die Wertschöpfungskette erfolgte vollständig manuell. Ein automatisierter Prozess existierte nicht. Was in der Entwicklungsphase noch beherrschbar war, wird mit eigener Produktion zum strukturellen Risiko — für Liefertreue, für Transparenz in der Supply Chain und für den Aufwand, der Woche für Woche in manueller Nachverfolgung gebunden wird.
Genau hier setzt an, was wir die ERP-Realisierungslücke nennen: Eine MIT-Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass rund 95 Prozent der Technologie-Initiativen in Unternehmen trotz erheblicher Investitionen keinen messbaren Ergebniseffekt erzeugen. Unsere Erfahrung aus mehr als 30 Jahren ERP-Beratung: Am größten ist dieses Risiko in Wachstums- und Übergangsphasen — dann, wenn ein Unternehmen sein Geschäftsmodell erweitert, bevor seine Prozesse mitgewachsen sind.
Der naheliegende Weg wäre gewesen, ein ERP-System zu kaufen, das „Produktverfolgung" als Funktion mitbringt. Eine anbietergetriebene Auswahl hätte genau das geliefert — ein System, aber keinen Prozess. Denn der Engpass war nie die fehlende Software, sondern dass es den Prozess, den eine Software hätte abbilden können, schlicht noch nicht gab. Das ist der Kern unseres Prinzips „Organisation vor IT": Ein ERP-System kann nur automatisieren, was zuvor als Prozess definiert wurde.
Das Vorgehen folgte deshalb einer klaren Reihenfolge: (1) Herstellerunabhängige ERP-Auswahl — Anforderungen aus dem künftigen Betriebsmodell (Forschung, Entwicklung, Produktion) wurden systematisch erhoben und die Systementscheidung anhand transparenter Kriterien abgesichert, frei von Anbieterinteressen. (2) Gemeinsames Prozessdesign — der automatisierte Verfolgungsprozess wurde gemeinsam mit dem Unternehmen gestaltet, nicht als Beratervorlage übergestülpt, sondern entlang der realen Abläufe zwischen Entwicklung, Produktion und Logistik; deshalb wird er nach dem Go-live tatsächlich gelebt. (3) Umsetzung im System — erst nach dem Prozessdesign wurde der Prozess im ausgewählten ERP-System implementiert, die Software als Werkzeug für einen definierten Ablauf, nicht als Hoffnungsträger für einen undefinierten.
Transparenzhinweis: Das integrierte neue ERP-System ist live, die Abnahme ist erfolgt. Wir überwachen die Zielkorridore und veröffentlichen die realen Werte nach zwölf