Über Jahrzehnte hatte das Unternehmen seine Warenwirtschaft selbst entwickelt — passgenau, tief in den Köpfen der Belegschaft verankert, aber ohne integrierte Finanzbuchhaltung, zunehmend schwer wartbar und abhängig von wenigen Wissensträgern. Für ein B2B-Geschäft mit ausgeprägter Logistik über 16 Standorte war das ein wachsendes strukturelles Risiko: Medienbrüche zwischen Warenwirtschaft und Finanzen, manuelle Abstimmungen zwischen den Standorten, keine belastbare Grundlage für Automatisierung.
Die Entscheidung fiel auf ein standardisiertes, modernes und mit der Finanzbuchhaltung integriertes System.
Fachlich der richtige Schritt — und genau deshalb lehrreich: Die richtige Systementscheidung schützt nicht vor der Realisierungslücke, sie verschiebt sie nur hinter den Go-live. Es folgte eine J-Kurve: erst der messbare Einbruch, dann — mit gezielter Gegensteuerung — der Anstieg über das alte Niveau. Beim Go-live lag die Produktivität nachweislich 15 Prozent unter dem Altsystem; die Ursache war überwiegend organisatorisch, nicht technisch. Die größte Übergangslast trugen erfahrene Mitarbeitende mit langer Betriebszugehörigkeit, die sich im integrierten Standardsystem zunächst „verloren" fühlten. Erst die Intensivierung des Change Managements — mehr Begleitung am Arbeitsplatz, mehr Schulung, mehr Raum, implizites Wissen ins neue System zu übersetzen — drehte die Kurve. Nach zwölf Monaten liegt die Produktivität 11 bis 12 Prozent über dem Altsystem, mit klarer Perspektive auf die Zielgröße von plus 20 Prozent (noch nicht erreicht).
Ein B2B-Großhandelsunternehmen mit ausgeprägter Logistik — rund 450 Mitarbeitende, 16 Standorte —, das seine über Jahrzehnte gewachsene, eigenentwickelte Warenwirtschaft durch ein modernes, mit der Finanzbuchhaltung integriertes Standardsystem ablöst.